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Ferienfreizeit „KulturCamp Bad Tölz“

In den Herbstferien (31.10. – 04.11.2016) fand in der Jugendherberge Bad Tölz das zweite KulturCamp statt. Insgesamt machten sich 27 Teilnehmer_innen (zwischen zwölf und 17 Jahren), drei Kunst-Expert_innen, eine Jugendleiterin und zwei Koordinatorinnen vom Münchner Hauptbahnhof auf den Weg, Richtung Süden. Innerhalb einer Woche konnten die Teilnehmenden sich zu einem Thema, einem KulturWert, kreativ ausprobieren und am Ende ihre Ergebnisse und Ideen präsentieren.

Der erste Tag begann mit der Anreise aus unterschiedlichsten Richtungen Bayerns und dem ersten Kennenlernen der Gruppe. Schnell entstand aus den vielen unterschiedlichen Mädchen und Jungen, welche aus über zehn verschiedenen Ländern stammen, ein gemeinsames Team. Zusammen überlegten sie sich ein Thema, einen Wert, der ihnen besonders wichtig ist und mit dem sie sich eine Woche lang künstlerisch auseinandersetzen möchten. Neben Respekt, Toleranz, Ehrlichkeit, Freundschaft, Familie und Liebe, war Freiheit für die Teilnehmenden der Wert, der sofort als oberste Priorität genannt wurde. Dabei erfassten die Jugendlichen den Wert in unterschiedlichsten Dimensionen. Freiheit bedeutet zum einen, dass es keinen Krieg gibt und jeder das Recht auf Bildung und Religion hat. Freiheit bedeutet auch, zu jeder Zeit seine eigene Meinung äußern zu können, ohne dafür bestraft zu werden. Dabei sind sich die Teilnehmenden einer Meinung: Um Freiheit leben zu können, muss es Regeln geben, die den Rahmen schaffen, damit ein gemeinsames „Freiheit erleben“ ermöglicht werden kann. Schnell ist klar: Freiheit lieben alle, Freiheit wollen alle und Freiheit ist der wichtigste Wert für die Teilnehmenden des KulturCamps.

Mit vielen kreativen Ideen bekamen die Teilnehmenden die Möglichkeit sich in den Bereichen Medien, Musik und Bildende Kunst frei und kreativ auszuprobieren. Dafür standen ihnen jederzeit drei qualifizierte Expert_innen (Carina Dengler, Sinan von Stietencron und Robert Weissenbacher) zur Verfügung, die sie mit Tipps und fachlichen Wissen unterstützten. Bei einer Vorstellungsrunde der Expert_innen wurden den Jugendlichen präsentiert, wie das Thema Freiheit künstlerisch umgesetzt werden kann. Dabei gab es die Möglichkeit den Wert musikalisch (Songwriting, Instrumente, Bodypercussion etc.), filmisch (Geschichtsentwicklung, Storyboard, Animationsfilm etc.) oder malerisch (Skizzen, Anatomiezeichnung, Wandmalerei etc.) umzusetzen.

Die nächsten Tage brachten viel Raum und Zeit, um sich intensiv mit dem Thema und verschiedenen künstlerischen Methoden vertraut zu machen. Jeder Tag begann mit ein paar Spielen um wach und kreativ zu werden. Anschließend haben sich die Teilnehmer_innen in drei Gruppen geteilt, um gemeinsam den Wert künstlerisch zu erarbeiten. Manche Jugendliche haben alle Kunstsparten einmal ausprobiert, andere wiederum hatten mit einem Medium (Film/Malerei/Musik) so viel Spaß gehabt, dass sie diesem treu geblieben sind. Das stand den Teilnehmenden offen und ist auch Teil des Konzepts des KulturCamps. In den einzelnen Gruppen wurde das Thema Freiheit weiter diskutiert, darüber nachgedacht und gemeinsam geplant, wie es künstlerisch dargestellt werden kann. Dann ging es an’s Malen, Zeichnen, Schreiben, Schnipseln, Singen, Fotografieren, Filmen und Vertonen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen kam die gesamte Gruppe immer wieder zusammen. Danach hatten die Jugendlichen Freizeit und konnten Bad Tölz erkunden, sich ausruhen, gemeinsam spielen oder die tollen sportlichen Freizeitaktivitäten der Jugendherberge wahrnehmen. Am Nachmittag ging es dann mit der kreativen Schaffensphase weiter. Vor dem Abendessen kam das gesamte Team zu einer Feedback- und Tages-Abschlussrunde zusammen, um über die wichtigsten Tagesgeschehnisse zu sprechen und auch Verbesserungsvorschläge aufzunehmen. Nach dem Abendessen gab es dann wieder Freizeit, die mit vielen Home-Kinoabenden und Home-Discoabenden gestaltet wurden.

Am Freitagvormittag waren alle noch einmal richtig fleißig und bereiteten alles für die Präsentation vor: Die letzten Pinselstriche wurden ausgeübt, alle Filme bis zur letzten Minute noch vertont und geschnitten und auch die Instrumente und die Stimme wurden ein letztes Mal getestet – und dann ging es los! Der große Saal in der Jugendherberge war mit vielen neugierigen Zuschauer_innen gefüllt und die Jugendlichen übernahmen sogar die Moderation der Präsentation. Nach vielen lustigen Animationsfilmen zum Thema Freiheit, sangen alle Jugendlichen gemeinsam, begleitet von Instrumenten ihren Freiheits-Song und zeigten ihre selbstgestaltete Wandmalerei, die natürlich auch den Schriftzug „Freiheit“ trägt. Der Applaus ebbte nicht ab, jeder Teilnehmende bekam feierlich ein KulturCamp-Zertifikat überreicht und die Jugendlichen gingen Arm in Arm zum Bahnhof und sangen den Refrain ihres Liedes „Alle lieben Freiheit, Freiheit ohne Liebe geht nicht…“.

Impressionen des KulturCamps Bad Tölz

Song „Freiheit“ (freiheit-lyrics)

Animationsfilm „Liebe in der Steppe“

Animationsfilm „Zapping (Freiheit)“

Feedback
„Am ersten Tag hatte ich Angst, weil ich niemanden kannte und ich wollte am nächsten Tag gleich wieder nach Hause. Aber dann hat es mir immer besser gefallen und es war einfach mega geil. Ich versuche auf jeden Fall beim nächsten Camp wieder mit dabei zu sein – ich hoffe es klappt!“ Teilnehmerin des KulturCamps Bad Tölz 

„Vielen Dank an das Team vom KulturCamp! Ihr habt mich so genommen, wie ich bin und akzeptiert, obwohl ich nicht immer voll dabei war. Ihr wart immer da und habt uns zugehört, uns ernst genommen und wenn uns etwas nicht gut gefallen hat, habt ihr euch Mühe gegeben etwas zu ändern. Ich werde euch und die Zeit hier nie vergessen!“ Teilnehmer des KulturCamps in Bad Tölz

„Ich war beeindruckt vom liebevollen und respektvollen Umgang der Jugendlichen miteinander und der Begeisterung, mit der sie ihre Ergebnisse präsentiert haben. Mich hat es sehr gefreut, dass muslimische Jugendliche die Liebe zweier Männer zueinander als Freiheit empfinden.“ Elisabeth Sowa, Helferkreis Asyl Geretsried

„Ich merke, wie gut die Woche den Jugendlichen getan hat. Gerade das Thema Freiheit ist ja auch im Lebensalltag sehr präsent. Viele stehen unter Stress, vor allem weil sie nicht wissen, wie es weitergeht und wie ihre Zukunft sein wird, ob sie überhaupt in Deutschland bleiben dürfen. Besonders für die Älteren war diese Woche ein starkes Erlebnis: Weg vom Druck der Eltern, für die sie aufgrund ihrer Sprachkenntinisse immer die Verantwortung übernehmen  müssen. Das alles ist wie ein gedankliches Gefängnis. Diese Woche hat ihnen die Möglichkeit gegeben, daraus auszubrechen.“ Susanne Loftin, GU Friedenshöhe Oberammergau

„Im KulturCamp Bad Tölz haben wir gemeinsam eine positive und vorurteilsfreie Atmosphäre geschaffen, in der sich die Teilnehmenden sicher gefühlt haben kreativ zu werden, sich zu öffnen, sich auszutauschen und gemeinsam zu arbeiten. Das ist für mich das Wertvollste, was bei so einem Projekt entstehen kann! Ich glaube, jeder geht aus diesem KulturCamp mit vielen positiven Erinnerungen, neuen Erfahrungen und Impulsen, die hoffentlich in den Alltag integriert werden und dort weiter wachsen können.“ Carina Dengler, Expertin für Musik beim KulturCamp in Bad Tölz

„Mich haben nicht nur die wunderbaren künstlerischen Ergebnisse beeindruckt, sondern auch der Gruppenzusammenhalt, der in dieser Woche entstanden ist. Dass sich die jungen Menschen das Thema Freiheit ausgesucht und künstlerisch umgesetzt  haben, dass sie mit teilweise noch geringen Sprachkenntnissen selbstbewusst ihre Arbeiten vor dem Publikum präsentiert haben – all das zeigt, dass im KulturCamp Wertebildung, Persönlichkeitsbildung und künstlerisches Schaffen Hand in Hand gehen.“ Dr. Andrea Taubenböck, Ministerialrätin und geschäftsführender Vorstand der Stiftung Wertebündnis Bayern

Es hat mich außerordentlich beeindruckt und berührt, wie junge Menschen mit ganz unterschiedlichem sprachlichen und kulturellen Hintergrund sich in nur einer Woche als Gemeinschaft gefunden, mit einem gemeinsam gewählten Thema auseinandergesetzt und dieses musikalisch, gestalterisch und medial äußerst beeindruckend umgesetzt haben – ein wirklich gelungenes Projekt im Rahmen des Wertebündnisses Bayern.“ Gerhard Koller, Präsident des Deutschen Jugendherbergswerk Landesverband Bayern e.V.

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Die Feriencamps werden in einem Kooperationsbündnis der Landesvereinigung Kulturelle Bildung Bayern e.V., dem Deutschen Jugendherbergswerk Landesverband Bayern e.V. und der Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern e.V. umgesetzt. Das Angebot ist ein Projekt von JEP und dem Paritätischen Bildungswerk Bundesverband e.V., das im Rahmen des Programms „Kultur macht stark“ vom BMBF gefördert wird.
KulturWERTE erleben findet im Rahmen des Wertebündnis Bayern statt und wird von einer Reihe weiterer Projektpartner unterstützt.

Kooperationspartner:

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Gefördert durch:

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Mit freundlicher Unterstützung von:

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